Solidarität mit Sexarbeiter*innen!
Stellt euch vor, die Landeszentrale für politische Bildung in Baden-Württemberg bringt einen Online-Kurs über einen Beruf raus, ohne jemals mit einem Menschen gesprochen zu haben, der*die diesen Beruf ausübt. Unvorstellbar? Ja, trotzdem gerade geschehen. Der Beruf um den es geht? Sexarbeit.
Nun ja, Menschen aus der öffentlichen Verwaltung tun sich schwer, mit Menschen aus der Sexarbeit zu reden, aber wer ist denn daran Schuld? Doch nicht die Sexarbeiter*innen, sondern unsere Gesellschaft.
Machen wir einen kleinen Ausflug. Woher kommen Sexarbeiter*innen, die in Deutschland arbeiten? Richtig, zunächst mal aus Deutschland und aus Polen, Rumänien, der Ukraine, Tschechien, Brasilien, Mexiko, auch ein paar aus Afrika und aus Asien (die Liste ist natürlich unvollständig). Und sie kommen aus all diesen Ländern, weil sie dort mit ihrem Beruf nicht genug verdienen.
Kommt einem bekannt vor? Woher nur? Richtig, aus der Pflege, denn aus genau diesen Ländern kommen auch die meisten Pflegekräfte, die hier in Deutschland arbeiten, weil sie in ihrer Heimat damit nicht genug verdienen. Sie kommen hierher nach Deutschland um unsere Kranken, unsere Behinderten, unsere Alten zu pflegen und das ist fürwahr kein angenehmer Job. Ich möchte gar nicht auf die sehr unangenehmen Details der Pflege eingehen, aber dort wird niemand gefragt, ob er das freiwillig macht und keine Altenpflegerin wird gefragt, wie sie in diesen Beruf hineingeraten ist.
Aber genau so werden Sexarbeiter*innen hinterfragt, denn wer noch nie mit Menschen in der Sexarbeit gesprochen hat, baut sich ein krudes Bild davon zusammen, was durch Ede Zimmermanns XY der 70er und 80er, durch Medien und durch laute konservative Organisationen geprägt ist. Und genau so entsteht solch ein unglaublich einseitiger, stigmatisierender, verletzender Online-"Kurs", der dieses Bild verfestigt und zementiert und das von einer staatlichen Bildungsinstitution, die eigentlich zur Neutralität verpflichtet ist.
Hört endlich auf nur über Sexarbeiter*innen zu sprechen, sprecht mit ihnen, genauso, wie ihr mit Pflegekräften sprecht, wenn ihr etwas über ihren Beruf wissen wollt. "Prostitution ist eine grundrechtlich geschützte Tätigkeit!" – ich finde, dieses Zitat aus der Evaluation des ProstSchG sagt alles!
Ich fordere ein Ende der Kriminalisierung und der Stigmatisierung selbstbestimmter Sexarbeit. Jetzt!
lola-anders.com/2025/08/04/lpb-faktenlose-bildung/
Lena Karch, Beisitzerin im Ortsverband Kaiserslautern

